Die Grausamkeit des Faschismus beruht auf der Philosophie der Anbetung der Kraft. Der einzige heilige Wert des Faschismus ist Kraft. Der Starke hat Recht. Der Starke hat das Recht, obenauf zu sein und die Schwachen zu unterdrücken. Die Faschisten bewundern die Starken und hassen die Schwachen. Die Grundprinzipien dieser abstrusen Moral sind Kriegführen, Blutvergießen, Unbarmherzigkeit und Tyrannei.
Im Gegensatz zu dieser abstrusen Moral, die in Sparta, in den bluttriefenden Arenen des römischen Reiches und bei den barbarischen Heidenvölkern des Nordens an der Tagesordnung war, steht die gute Moral, die uns Gott auf dem Wege der Religion lehrte. Dieser Moral entsprechend, die den Menschen im Laufe der Geschichte durch die heiligen Bücher Thora, Bibel und Quran gelehrt wurde, ist der zentrale Begriff nicht “Kraft”, sondern “der rechte Weg”. Die Menschen sind also nicht entsprechend der Kraft, über die sie verfügen zu bewerten, sondern inwieweit sie sich auf dem rechten Weg befinden. Der Starke darf die Schwachen nicht unterdrücken und sich zu deren Herrscher aufwerfen, sondern er ist verpflichtet ihnen mit Güte und Barmherzigkeit gegenüber zu treten. Die Aufgabe der Menschen ist nicht Mitleidlosigkeit, Tyrannei und Blutvergießen, sondern gütig und friedvoll zu sein und die Schwachen zu schützen.
Der moderne Faschismus ist ein Produkt der Ideologien; er entstand im 20. Jahrhundert und stellte sich der guten Moral entgegen, die die Religion die Menschen lehrt. An ihre Stelle sollte von neuem die rassistische Kultur der Heiden, Blutvergießen und Tyrannei treten. Die heidnische Strömung hatte ihren Anfang in der französischen Revolution, wurde von Friedrich Nietzsche geformt und floß in die Ideologie der Nazis ein. Evolutionisten wie Charles Darwin, Francis Galton und Ernst Haeckel gaben diesem emporkommenden neuen Heidentum wissenschaflichen Rückhalt, indem sie die Existenz Gottes verleugneten, das Leben als einen Überlebenskampf darstellten und den Rassismus legalisierten.
Der amerikanische Historiker Gene Edward Veith fasste diese Tatsache in seinem Buch Modern Fascism: Liquidating the Judeo-Christian Worldview (Der Moderne Faschismus: Die Vernichtung der Jüdisch-Christlichen Weltanschauung) folgendermaßen zusammen: “Faschismus ist die Sehnsucht der modernen Welt nach dem Heidentum. Faschismus ist der Aufstand dieser Kultur gegen Gott.”30
Der Nationalsozialismus zeigte diese Tatsache auch ganz offen. Die Nazis verteidigten sowohl während ihres organisatorischen Aufbaus als auch während ihrer Regierungszeit ab 1939 das Heidentum und bemühten sich die deutsche Gesellschaft vom Christentum zu entfernen und zum polytheistischen Glauben zurückzuführen.
Der wichtigste Vordenker der Nationalsozialisten, Alfred Rosenberg, bemerkte bereits in den 20er Jahren, dass das 3. Reich, das unter der Führerschaft von Hitler zu gründen sei, nicht die notwendige spirituelle Energie gewährleisten könne und empfahl der deutschen Rasse aus diesem Grund zur antiken polytheistischen Religion zurückzukehren. Nach Rosenberg sollten mit der Machtübernahme der Nazis anstelle der religiösen Symbole in den Kirchen Hakenkreuz, Hitlers Mein Kampf und Schwerter aufgehängt werden, die die Unbesiegbarkeit der Deutschen symbolisierten. Hitler stimmte mit Rosenbergs Ansichten prinzipiell überein, sah jedoch von der Durchführung der neuen religiösen Theorie ab, da er erwartete, auf großen gesellschaflichen Widerstand zu stoßen.31
Dennoch sollten in der Nazizeit wichtige neo-polytheistische Veränderungen stattfinden. Einige Zeit nach der Machtergreifung von Hitler wurden die christlichen Feiertage abgeschafft und an deren Stelle heilige Tage aus der heidnischen Welt übernommen. Bei Heiraten wurden heidnische Götter wie “Mutter Erde” und “Vater Himmel” angerufen. 1935 wurde es den Schülern untersagt in den Schulen zu beten, der Religionsunterricht wurde kurz darauf gänzlich abgeschafft.
Wie in dem Buch The Pink Swastika (Das rosa Hakenkreuz), das die heidnische Ideologie der Nazis und deren homosexuelle Neigungen zum Inhalt hat, wurde beschrieben, dass “die Wiedergeburt des hellenistischen Heidentums eine absolut grundlegende Eigenschaft der nationalsozialistischen Identität ist.”32 Im gleichen Buch wird betont, dass diese heidnische Bewegung, die die Basis der nationalsozialistischen Identität darstellt, eine perverse homosexuelle Neigung enthält. In dem Buch wird ein interessantes Beispiel für die Bindung der Nazis an die heidnisch-polytheistische griechische Kultur angeführt:
Wer waren die Intelektuellen, die in Deutschland den Nietzsche’schen Faschismus unters Volk brachten? Einer war der damals in Deutschland sehr berühmte Dichter Stefan George, der auch dafür bekannt war, dass er eine sexuelle Neigung für Knaben hatte. George und seine Anhänger brachten den Begriff “Griechendeutsche” auf... George behauptete in seinem 1928 veröffentlichten Buch Das Neue Reich, dass Deutschland die Form eines neuen griechischen Staates annehmen werde. Nach der Machtergreifung Hitlers wurde Stefan George zum Vorsitzenden der Nationalsozialistischen Akademie für Literatur.33
Während der Nazidiktatur unternahm man zahlreiche Versuche, um die heidnische Kultur von neuem zu beleben. Die Schulen unterrichteten die Schüler in der “ehrenvollen vorchristlichen deutschen Geschichte” und überall in Nazideutschland fanden Gottesdienste und Festlichkeiten statt, die auf heidnische Zeiten zurückgingen. Tatsächlich organisierten die Nazis Massenversammlungen und Feierlichkeiten wie einen klassischen heidnischen Gottesdienst. Die Naziveranstaltungen, abgehalten im flackernden Schein von Fackeln, mit Slogans voller Gewalt und Haß und untermalt von Wagners Musik unterscheiden sich in nichts von den verqueren Feiern, die vor Tausenden von Jahren in heidnischen Tempeln veranstaltet wurden.
Die Nazis benutzten auch die Kunst um den Polytheismus zu beleben. Nach der Machtergreifung gewannen die Begriffe und Symbole des alten Griechenlands eine neue erdrückende Aktualität, und zahlreiche Standbilder, die gesunde Männer und Frauen “arischer Rasse” zeigten, wurden im Stil alter griechischer Götterstatuen angefertigt. Hitler lebte in der Vorstellung, dass er diese “übergeordneten Menschen” mittels Eugenik züchten könne, mit ihnen die Welt beherrschen und ein unterdrückerisches und tyrannisches Weltkönigreich entsprechend dem Modell des alten griechischen Sparta ins Leben rufen werde. Der Begriff “Drittes Reich”, der für Nazideutschland geprägt wurde, ist Ausdruck dieses Traums. Nach den beiden zuvor gegründeten deutschen Königreichen plante Hitler das dritte und größte zu gründen. Am Ende dieser Träume befand sich die Welt am Ende eines Krieges von bis dahin unbekannter Brutalität, der insgesamt 55 Millionen Menschen das Leben gekostet hatte.